Bills-Zeitung

 

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Bill wirkt entrückt
"Was soll ich denn zur Begrüßung sagen", fragt der und streicht sich nervös durchs Strubbelhaar. "Sag 'Dobryj wetscher'. Das heißt "guten Abend" auf Russisch", sagt Gustav, der in der Schule ein paar Jahre Russisch hatte. "Dobryj, was? Das kann ich mir nicht merken. Das vergesse ich sofort, wenn ich auf der Bühne stehe." Bill wirkt plötzlich wie geschrumpft, klein und ängstlich. Seine Hände zittern ein wenig, als er sich eine Flasche Wasser öffnet. Er ist jetzt kaum noch ansprechbar, seltsam entrückt. Die Pressedame schickt uns aus dem Backstageraum. Noch 30 Minuten bis zum Auftritt.

Wie verwandelt wirkt Bill dann, als das Konzert losgeht. Steht locker hinter dem schwarzen Bühnenvorhang, jongliert lässig das Mikrofon von der linken in die rechte Hand, grinst, atmet tief ein und aus und tippelt auf der Stelle wie ein Staffelläufer, der auf seinen Startschuss wartet. Die Band spielt schon die ersten Takte. Tausende Mädchenaugen fixieren die Bühne. Wo ist Bill? Plötzlich stürmt er los, steht mitten im Rampenlicht, streckt die Arme in die Luft, und ein gigantisches Kreischen erfüllt die Halle. Auch als Erwachsener spürt man sofort: Dieser Junge hat etwas. Diese manische Energie, mit der er durch die Luft flirrt. Diese Körpersprache, wenn er im nächsten Moment in einer perfekten Rockpose verharrt, die Hüfte geneigt, den Arm angewinkelt, den Blick sehnsüchtig in die Ferne gerichtet. Er könnte der gemeinsame Sohn von Cher und David Bowie sein, dramatisch und gestenreich, androgyn und glamourös. Ein Junge aus der Provinz, der mit zwölf Jahren beschlossen hat, ein Star zu sein, der sich Schminke aus dem Supermarkt besorgte und sich seine Klamotten selbst zurechtschnitt.

Nicht hässlich, bloß kahl
Will man wissen, wo das alles herkommt - dann landet man in Loitsche, einem Dorf bei Magdeburg, 670 Einwohner, Autokennzeichen OK. Für Ohrekreis. "Tokio Hotel? Wohnt da drüben", sagt eine Nachbarin und zeigt auf den schlichten Flachbau mit Blick auf einen braunen Hügel. Loitsche ist ein Zentrum des Kalibergbaus. Nicht hässlich, bloß ein bisschen kahl. Man kann sich gut vorstellen, dass einer hier anfängt, Gedichte zu schreiben. Oder Songs über den grauen Alltag.
16.4.07 15:36


 


FF

 

16.4.07 18:25
 


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